Website-Relaunch: Projektplan mit Meilensteinen

Ein Website-Relaunch läuft in acht Phasen und dauert von der ersten Zielklärung bis zur Umschaltung in unseren Projekten typischerweise drei bis sechs Monate. Der Termin hängt dabei kaum an Design oder Technik, sondern an zwei Meilensteinen: dem vollständigen Inventar aller alten Adressen und einer Abnahme mit vorher festgelegten, messbaren Kriterien. Wer beides als festen Termin im Plan führt, hält den Plan meistens — wer es als „machen wir am Ende“ führt, verschiebt.

Alle Dauerangaben hier sind Erfahrungswerte aus eigenen Projekten, keine erhobene Statistik. Sie verschieben sich mit der Seitenzahl, der Zahl der Entscheider und dem Zustand der Altdaten.

Die acht Phasen auf einen Blick

Phase Wer liefert Typische Dauer Meilenstein: das prüfbare Ergebnis
1. Ziele und Bestandsaufnahme Auftraggeber und Agentur 2–4 Wochen Zielliste mit Messgrößen, vollständiges Adressinventar
2. Konzept und Struktur Agentur, Freigabe Auftraggeber 2–4 Wochen Seitenstruktur freigegeben, Weiterleitungsplan abgenommen
3. Gestaltung Agentur, Freigabe Auftraggeber 3–5 Wochen Alle Seitentypen freigegeben, nicht alle Seiten
4. Technische Umsetzung Agentur 4–8 Wochen Testumgebung mit allen Seitentypen erreichbar
5. Inhalte Auftraggeber oder Redaktion 4–8 Wochen, parallel Jede Seite trägt ihren Endtext, kein Platzhalter
6. Test und Abnahme beide 2–3 Wochen Abnahmeprotokoll unterschrieben, Fehler klassifiziert
7. Umschaltung Agentur, Auftraggeber in Rufbereitschaft 1 Tag Altliste vollständig durchlaufen, keine 404, keine 302
8. Nachlauf Agentur 4 Wochen Indexierung stabil, Fehlerliste der Klasse B abgearbeitet

Die Phasen 3 bis 5 laufen parallel. Die Addition der Spalte ergibt deshalb nicht die Projektdauer.

Die Phasen im Einzelnen

1. Ziele und Bestandsaufnahme

Hier wird schriftlich festgehalten, woran der Relaunch nachher gemessen wird: Anfragen, Bestellungen, Sichtbarkeit bestimmter Seiten, Pflegeaufwand. „Moderner aussehen“ ist kein Ziel, weil niemand es prüfen kann.

In dieselbe Phase gehört das Adressinventar. Google empfiehlt für einen Umzug mit Adressänderung ausdrücklich, die Liste aus mehreren Quellen zusammenzusetzen: XML-Sitemaps, Webanalyse, das Content-Management-System selbst und die Server-Logfiles. Vier Quellen, weil jede einzelne zu wenig findet.

2. Konzept und Struktur

Welche Seiten es künftig gibt, wie sie hierarchisch zusammenhängen und welche Suchintention jede Seite bedient. Parallel entsteht die zweispaltige Zuordnungstabelle alt zu neu. Jede alte Adresse bekommt ein inhaltlich passendes Ziel oder — wenn es die Seite wirklich nicht mehr gibt — ein begründetes 410. Wie diese Tabelle entsteht und welche Fehler sie ruinieren, steht ausführlich in Rankings nach dem Relaunch verloren.

3. Gestaltung

Entworfen werden Seitentypen, nicht Seiten: Startseite, Leistungsseite, Übersicht, Beitrag, Formular, Kontakt. Sechs bis acht Entwürfe decken damit sechzig Seiten ab. Die Freigabe erfolgt je Typ und je Runde, mit einer festen Frist — zwei Runden pro Typ sind realistisch, die dritte ist fast immer ein Zeichen dafür, dass das Ziel aus Phase 1 nicht geklärt war.

4. Technische Umsetzung

Templates, Formulare, Schnittstellen, Einwilligungsbanner, Suchfunktion, und die Weiterleitungsregeln aus Phase 2. Die Weiterleitungen werden hier gebaut und getestet, nicht am Umschalttag. Die Testumgebung steht währenddessen auf noindex und hinter einem Passwort — und genau dieses noindex ist der Eintrag, der am Umschalttag wieder heraus muss.

5. Inhalte

Läuft parallel zu Gestaltung und Technik und ist in der Praxis der Taktgeber des ganzen Projekts. Pro Seite werden gebraucht: Seitentitel, Meta-Beschreibung, Fließtext, Bilder mit Alternativtext und, falls vorhanden, Dokumente zum Herunterladen. Eine Seite gilt erst als fertig, wenn alle fünf Teile da sind; „Text kommt noch“ ist kein Fertigstand.

6. Test und Abnahme

Geprüft wird auf echten Geräten, nicht nur im verkleinerten Browserfenster. Jedes Formular wird einmal tatsächlich abgeschickt und der Eingang kontrolliert. Gefundene Fehler werden klassifiziert: A blockiert die Umschaltung, B wird in den ersten zwei Wochen danach behoben, C wandert in den Rückstand. Die Abnahme ist der Moment, in dem der Auftraggeber unterschreibt — ohne diese Unterschrift gibt es keinen Umschalttermin.

7. Umschaltung

Ein Arbeitstag, Checkliste siehe unten. Google rät kleinen und mittleren Websites, alle Adressen gleichzeitig umzuziehen statt Bereich für Bereich; abschnittsweise Umzüge sind für große Sites gedacht, die das Verhalten beobachten wollen.

8. Nachlauf

Vier Wochen aktives Beobachten. Google nennt für eine kleine bis mittelgroße Website einige Wochen, bis die meisten Seiten umgezogen sind — in dieser Zeit sind Schwankungen normal, ein Einbruch über zwei Wochen ist es nicht.

Abnahmekriterien, die man wirklich messen kann

Eine Abnahme, die aus „gefällt uns“ besteht, ist keine. Diese vier Kriterien sind prüfbar und gehören in das Protokoll:

  • Weiterleitungen. Die vollständige Altliste wird automatisiert durchlaufen. Ziel: null 404, null 302, jede Adresse landet per 301 auf dem inhaltlich passenden Ziel.
  • Geschwindigkeit. Die Core Web Vitals in den von Google dokumentierten Schwellen: LCP bis 2,5 Sekunden, INP bis 200 Millisekunden, CLS bis 0,1 — jeweils gemessen am 75. Perzentil der Seitenaufrufe, getrennt nach Mobilgerät und Desktop.
  • Barrierefreiheit. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt seit dem 28. Juni 2025 und erfasst unter anderem Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr, also den klassischen Onlineshop. Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten, sind nach § 3 Absatz 3 BFSG ausgenommen; als Kleinstunternehmen gilt nach § 2 Nummer 17 BFSG, wer weniger als zehn Personen beschäftigt und höchstens zwei Millionen Euro Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme hat. Wer verkauft und darüber liegt, prüft das im Relaunch und nicht danach. Stand: Oktober 2026.
  • Formulare und Kasse. Jeder Weg, über den Geld oder eine Anfrage hereinkommt, wird einmal echt durchlaufen, inklusive Bestätigungsmail.

Was der Auftraggeber liefern muss — und bis wann

Lieferung Spätestens Warum der Termin so früh liegt
Ziele und Messgrößen Phase 1 Ohne sie ist jede Freigabe Geschmackssache
Zugänge: Domain/DNS, Hosting, Webanalyse, Search Console Ende Phase 1 Ohne DNS-Zugriff lässt sich kein Umschalttermin zusagen
Benannte Person mit Freigabebefugnis Phase 1 Freigaben im Gremium sind der zweithäufigste Verzugsgrund
Logo, Schriftlizenzen, Bildmaterial Beginn Phase 3 Gestaltung ohne Bildmaterial erzeugt Entwürfe, die später nicht halten
Export der Produkt- oder Altdaten Beginn Phase 4 Die Datenstruktur bestimmt, was die Technik bauen muss
Endtexte je Seite Ende Phase 4 Sonst steht die Technik fertig und wartet
Geprüfte Rechtstexte Vor Phase 6 Sie sind Teil der Abnahme, nicht ein Nachtrag

Die drei Stellen, an denen Zeitpläne kippen

Die Inhalte kommen zuletzt. Design- und Entwicklungsaufwand lassen sich schätzen; dass jemand im laufenden Tagesgeschäft sechzig Seitentexte schreibt, lässt sich nicht schätzen. Gegenmittel: Die Textfrist liegt vor der Technikfrist, nicht danach. Und es gibt eine namentliche Zuordnung — welcher Text von wem, bis wann, wer gibt ihn frei. Eine Liste ohne Namen ist eine Hoffnung.

Freigaben ohne Entscheider. Wenn fünf Personen kommentieren und keine entscheidet, dauert eine Runde drei Wochen statt drei Tage. Gegenmittel: eine Person mit Freigabebefugnis, eine feste Frist je Runde, zwei eingeplante Runden je Seitentyp. Was nach Ablauf der Frist nicht kommentiert ist, gilt als freigegeben — das klingt hart und ist der Grund, warum Projekte pünktlich werden.

Das Adressinventar fehlt. Der Klassiker: Die Liste entsteht in der Woche vor dem Umschalten aus der Navigation der alten Seite. Damit fehlen genau die Seiten, die im Menü nie auftauchten, über die Suche aber gut liefen. Google empfiehlt, die Weiterleitungen danach so lange wie möglich zu behalten, in der Regel mindestens ein Jahr. Beim Umzug von 404media.de im Oktober 2026 sind alle 154 alten Adressen erhalten geblieben, weil das Inventar vor der Gestaltung stand und nicht nach der Abnahme.

Checkliste für den Umschalttag

  1. Termin vormittags, Dienstag bis Donnerstag. Nicht freitags, nicht vor einem Feiertag.
  2. Vollständiges Backup der alten Seite, Dateien und Datenbank, und eine getestete Wiederherstellung.
  3. Die TTL der DNS-Einträge 24 bis 48 Stunden vorher auf wenige Minuten senken.
  4. Redaktionsstopp auf dem alten System, damit keine Änderung verloren geht.
  5. noindex und Passwortschutz der Testumgebung entfernt — nachgesehen im Quelltext und in der robots.txt, nicht nur im Häkchen der Oberfläche.
  6. Vollständige Altliste automatisiert durchlaufen: Ziel 301, kein 302, kein 404.
  7. Jedes Formular und, falls vorhanden, der Bestellvorgang einmal echt durchlaufen.
  8. Webanalyse und Search Console auf der neuen Seite aktiv, neue XML-Sitemap eingereicht.
  9. Adressänderung in der Search Console nur bei einem Wechsel von Domain oder Subdomain melden. Für den Umstieg auf HTTPS, für www-Varianten derselben Domain und für reine Pfadänderungen ist das Werkzeug laut Google nicht vorgesehen.
  10. Namentliche Rufbereitschaft für 24 Stunden, dazu eine vorab festgelegte Rückfallentscheidung: wer entscheidet bis wann, dass zurückgeschaltet wird.

Die ersten vier Wochen

In Woche 1 wird täglich geschaut: Fehlerseiten im Server-Log, Indexierungsbericht der Search Console, Anfragen und Bestellungen im Vergleich zur Vorwoche, und die Fehler der Klasse B aus der Abnahme. In Woche 2 bis 4 reicht ein Blick alle zwei Tage, dafür mit Blick auf die Sichtbarkeit der wichtigsten zwanzig Seiten.

Nach vier Wochen folgt der Soll-Ist-Abgleich gegen die Zielliste aus Phase 1. Das ist der Moment, in dem sich zeigt, ob der Relaunch etwas gebracht hat — nicht der Umschalttag. Die Weiterleitungen bleiben dabei bestehen: mindestens ein Jahr, besser dauerhaft.

Wenn Sie diesen Plan übernehmen wollen

Der Plan funktioniert unabhängig davon, wer ihn umsetzt. Entscheidend ist, dass die beiden harten Meilensteine — Adressinventar in Phase 1, messbare Abnahme in Phase 6 — tatsächlich Termine sind und nicht Absichten. Was ein solches Projekt kostet, hängt an Seitenzahl, Datenmigration und der Anzahl der Seitentypen und ist eine eigene Rechnung.

Wir übernehmen Relaunches als Ganzes oder begleiten den Plan Ihrer bestehenden Agentur: Webentwicklung. Ein Erstgespräch kostet nichts: Kontakt.

Quellen

  • Inventar aus mehreren Quellen, gleichzeitiger Umzug statt abschnittsweise, Adressänderungs-Werkzeug nur bei Wechsel von Domain oder Subdomain, Weiterleitungen in der Regel mindestens ein Jahr, einige Wochen bis zum Umzug der meisten Seiten — Google Search Central, „Site moves with URL changes“, abgerufen am 18. Oktober 2026
  • Schwellenwerte für LCP (2,5 s), INP (200 ms) und CLS (0,1), gemessen am 75. Perzentil — web.dev, „Web Vitals“, abgerufen am 18. Oktober 2026
  • Ausnahme für Kleinstunternehmen bei Dienstleistungen und deren Definition — § 3 Absatz 3 und § 2 Nummer 17 Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, abgerufen am 18. Oktober 2026
  • Geltung seit 28. Juni 2025, erfasste Dienstleistungen, Ausnahme für Kleinstunternehmen — Bundesfachstelle Barrierefreiheit, abgerufen am 18. Oktober 2026

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Website-Relaunch?

In unseren Projekten liegen zwischen der ersten Zielklärung und der Umschaltung typischerweise drei bis sechs Monate. Shops mit Produktdaten und Websites mit mehreren hundert Seiten dauern länger, eine überschaubare Unternehmensseite mit klarer Entscheidungslage geht schneller. Die Spanne entsteht fast nie durch die Technik, sondern durch Inhalte und Freigaben. Das sind Erfahrungswerte, keine erhobene Statistik.

In welcher Reihenfolge läuft ein Relaunch ab?

Ziele und Bestandsaufnahme, Konzept und Struktur, Gestaltung, technische Umsetzung, Inhalte, Test und Abnahme, Umschaltung, Nachlauf. Gestaltung, Umsetzung und Inhalte laufen parallel, alle anderen Phasen bauen aufeinander auf. Wichtig ist, dass das Inventar der alten Adressen schon in Phase 1 entsteht und nicht erst kurz vor dem Umschalttag.

Was muss der Kunde bei einem Website-Relaunch selbst liefern?

Ziele und Messgrößen, die Zugänge zu Domain, Hosting, Webanalyse und Search Console, eine Person mit Freigabebefugnis, Logo und Bildmaterial, die Endtexte je Seite, gegebenenfalls einen Export der Produkt- oder Altdaten und die geprüften Rechtstexte. Die Endtexte sind der kritische Posten: Sie werden vor der technischen Fertigstellung gebraucht, nicht danach.

Wann sollte man eine neue Website live schalten?

Vormittags an einem Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag, damit das Team den Rest des Tages und den Folgetag für Nacharbeiten hat. Freitagnachmittag und die Tage vor Feiertagen sind die schlechtesten Termine. In saisonalen Geschäften gilt zusätzlich: nicht in der Hochsaison, sondern davor oder danach.

Was ist der häufigste Grund für Verzug in einem Relaunch-Projekt?

Inhalte, die zu spät kommen. Design und Technik sind planbar, das Schreiben von sechzig Seitentexten im Tagesgeschäft ist es nicht. Danach folgen Freigabeschleifen ohne benannten Entscheider und ein unvollständiges Inventar der alten Adressen, das kurz vor dem Umschalttag auffällt.

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