Rankings nach dem Relaunch verloren? Checkliste aus einem echten Umzug

Wenn die Zugriffe nach einem Relaunch einbrechen, liegt es fast nie daran, dass die neue Website „Google noch nicht gefällt“. Es liegt daran, dass Adressen verschwunden sind. Jede alte Adresse, die ins Leere läuft, nimmt ihre Position und die Verweise fremder Seiten mit.

Dieser Beitrag enthält die Checkliste für den Umzug, die ersten 48 Stunden, wenn es schon passiert ist, und das Vorgehen aus unserem eigenen Umzug im Oktober 2026, bei dem alle 154 alten Adressen erhalten geblieben sind.

Die sechs Ursachen, in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit

  1. Alte Adressen ohne Weiterleitung. Das neue System hat ein anderes Adressschema, und niemand hat die alten Adressen vollständig erfasst. Besonders tückisch: Seiten, die im Menü nicht vorkamen, aber über Google gut liefen.
  2. Weiterleitungen als 302 statt 301. Eine 302 sagt „nur vorübergehend“. Google behält dann die alte Adresse im Index und überträgt die Stärke nicht.
  3. Ein noindex aus der Testumgebung. Die Testversion stand zu Recht auf noindex. Beim Umschalten ist es mitgekommen. Das ist der schnellste Weg, eine gesamte Website aus dem Index zu nehmen — und man sieht es nicht, wenn man nicht in den Quelltext schaut.
  4. Gekürzte Texte. Das neue Design ist aufgeräumter, die Seiten haben 300 statt 900 Wörter. Mit dem Text ist auch die Begründung verschwunden, warum die Seite zu einer Suche passt.
  5. Verlorene interne Verlinkung. Die alten Beiträge verwiesen aufeinander und auf Leistungsseiten. Im neuen System sind daraus Sackgassen geworden.
  6. Geänderte Bild- und Dateiadressen. Bilder, PDFs und Downloads haben eigene Positionen in der Bildersuche. Ein neuer Ordner hinter den Kulissen löscht sie alle.

Die Checkliste vor dem Umzug

1. Alte Adressen aus vier Quellen sammeln, nicht aus einer. Das ist der Schritt, an dem Relaunches scheitern. Nutzen Sie:

  • die alte XML-Sitemap (am besten mehrere Fassungen, falls Sie sie haben),
  • den Seiten-Bericht der Search Console über 16 Monate,
  • die Server-Logfiles der letzten Monate,
  • die Datenbank des alten Systems, falls Sie Zugriff haben.

Die Vereinigung dieser vier Listen ist Ihre Pflichtliste. Eine Quelle allein findet immer zu wenig.

2. Jede alte Adresse einem Ziel zuordnen — von Hand. Eine Tabelle mit zwei Spalten: alt, neu. Keine Regel-Automatik ohne Durchsicht, weil Sonderfälle die Regel immer brechen. Für Seiten, die es wirklich nicht mehr gibt und nie wieder geben wird, ist 410 Gone die richtige Antwort, nicht eine erfundene Weiterleitung.

3. 301 verwenden, Ketten vermeiden. Alt → neu, in einem Schritt. Keine Kette über zwei oder drei Zwischenstationen. Prüfen Sie auch die Schrägstriche am Ende und die Varianten mit und ohne www: jede Variante soll in einem Schritt am Ziel sein.

4. Titel, Beschreibungen und Überschriften übernehmen. Was bei Google gut lief, wird nicht „aufgefrischt“, sondern übertragen. Verbessern kann man nach dem Umzug, mit Zahlen statt Geschmack.

5. Textumfang halten. Wenn eine Seite 900 Wörter hatte und in die neue Vorlage nur 300 passen, ist die Vorlage falsch, nicht der Text.

6. Bild- und Dateipfade beibehalten. Lieber die alten Pfade im neuen System weiterbetreiben als 500 Bilder umziehen und ihre Positionen verlieren.

7. Strukturierte Daten mitnehmen. Organisation, Artikel, Autor, FAQ, Produkte. Was vorher ausgezeichnet war, muss es nachher auch sein.

8. Die Testumgebung auf noindex — und vor dem Umschalten noch einmal prüfen. Zwei Prüfungen am Tag des Umzugs: Steht noindex noch irgendwo? Erlaubt die robots.txt den Zugriff?

Wie wir das beim eigenen Umzug gemacht haben

Wir haben 404media.de im Oktober 2026 von WordPress auf eine statisch erzeugte Website umgestellt. Der Bestand: 40 Beiträge, 26 Seiten, teils mit selbst gesetzten Adressen aus zehn Jahren, dazu Kategorie-Archive und alle Bilder unter /wp-content/uploads/.

Drei Entscheidungen haben den Umzug ohne Verlust möglich gemacht:

Die alten Adressen sind Teil des Quellcodes. Jeder Beitrag trägt im neuen System seine alte Adresse als Feld. Dazu eine Datei mit allen Zuordnungen: 118 Einträge, davon 95 Weiterleitungen (301) und 23 Seiten, die bewusst mit 410 Gone antworten, weil es sie nicht mehr gibt. Diese Datei wird beim Bau in die Server-Konfiguration übersetzt, nicht von Hand gepflegt.

Der Bau bricht ab, wenn eine alte Adresse ins Leere läuft. Eine Prüfung liest die alten Sitemaps ein und vergleicht sie gegen das Ergebnis: Jede der 154 alten Adressen muss entweder als Seite existieren oder weitergeleitet werden. Fehlt eine, gibt es kein Ergebnis zum Ausliefern. Das ist der wichtigste Satz dieses Beitrags: die Prüfung muss den Umzug blockieren können, sonst wird sie übergangen.

Die Bilder sind geblieben, wo sie waren. Alle Pfade zeigen weiter auf /wp-content/uploads/…, obwohl es kein WordPress mehr gibt. Das sieht von innen unordentlich aus und ist von außen genau richtig.

Nach dem Umschalten hat ein Skript die Live-Seite abgefragt: Statuscodes, Weiterleitungsziele, Header und alle 154 alten Adressen. Ehrlich gesagt hatten wir dabei einen Vorteil, den nicht jeder hat: Wir hatten die Datenbank des alten Systems und konnten die Adressliste daraus erzeugen, statt sie zu rekonstruieren.

Wenn es schon passiert ist: die ersten 48 Stunden

  1. Prüfen, ob die Seite überhaupt im Index ist. Quelltext der Startseite nach noindex durchsuchen, robots.txt aufrufen. Das sind zwei Minuten und erklären die Hälfte aller Fälle.
  2. Die alten Adressen aus der Search Console holen. Seiten-Bericht, Zeitraum auf 16 Monate, Export. Dann jede Adresse aufrufen: Statuscode 200, 301 oder 404?
  3. Die 404-Treffer aus den Server-Logs ziehen. Dort stehen auch die Adressen, die Google noch abruft und die in keiner Sitemap stehen.
  4. Weiterleitungen nachziehen, alt → passendes Ziel, als 301. Keine Sammel-Weiterleitung auf die Startseite.
  5. Sitemap neu einreichen und die wichtigsten Adressen zur Prüfung anstoßen. Dann warten: Google ruft die Adressen nach seinem eigenen Rhythmus ab.

Drei Dinge, die man nicht tun sollte

  • Alles auf die Startseite weiterleiten. Google behandelt das wie einen Fehler. Der Effekt ist derselbe wie ohne Weiterleitung, nur merkt man es später.
  • Weiterleitungen nach ein paar Wochen abschalten. Fremde Seiten, die auf Sie verweisen, werden nie aktualisiert. Die Weiterleitung bleibt.
  • Auf die „Relaunch-Delle“ warten. Es gibt sie, aber sie ist flach und kurz. Ein Einbruch von 40 Prozent über mehrere Wochen ist keine Delle, sondern ein Fehler, den man finden kann.

Was realistisch ist

Ist die Ursache gefunden und behoben, bewegt sich in zwei bis acht Wochen wieder etwas. Vollständig zurückkommen die Positionen nur dort, wo die Inhalte gleich geblieben sind. Wo im Relaunch Text gestrichen wurde, muss er wieder hinein — das Löschen war die Ursache, nicht der Umzug.

Wenn Sie einen Relaunch vor sich haben

Der günstigste Zeitpunkt für diese Checkliste ist vor dem Umzug, nicht danach. Wir übernehmen die Erfassung der alten Adressen, die Zuordnung, die Weiterleitungen und die Prüfung — als Teil eines Relaunch-Projekts oder als Begleitung Ihrer Agentur im Rahmen der SEO-Betreuung. Für Shops gilt dasselbe mit mehr Adressen und Produktdaten: Shop-SEO.

Wenn es schon passiert ist, ist der erste Schritt immer eine SEO-Analyse: Ursache finden, bevor man Maßnahmen bezahlt. Ein Erstgespräch kostet nichts: Kontakt.

Häufige Fragen

Warum fallen die Rankings nach einem Relaunch?

In den meisten Fällen, weil Adressen verschwunden sind. Jede alte Adresse, die ins Leere läuft, verliert ihre Position und ihre Verweise von anderen Seiten. Weitere häufige Ursachen: Weiterleitungen als 302 statt 301, ein noindex aus der Testumgebung, das mit ausgeliefert wurde, gekürzte Texte und verlorene interne Verlinkung.

Wie lange dauert die Erholung nach einem misslungenen Relaunch?

Wenn die Ursache sauber behoben ist, bewegt sich in zwei bis acht Wochen wieder etwas. Entscheidend ist, dass Google die weitergeleiteten Adressen erneut abruft; das lässt sich über die Sitemap und die Search Console anstoßen, aber nicht erzwingen.

Darf man alte Adressen einfach auf die Startseite weiterleiten?

Nein. Google behandelt eine Weiterleitung auf eine thematisch andere Seite wie einen Fehler (Soft 404). Die Position ist dann genauso verloren wie ohne Weiterleitung. Jede alte Adresse braucht das inhaltlich passende Ziel; wenn es keines gibt, ist 410 die ehrlichere Antwort.

Wie lange müssen Weiterleitungen bestehen bleiben?

Mindestens ein Jahr, besser dauerhaft. Eine 301-Weiterleitung kostet nichts im Betrieb. Wer sie nach ein paar Wochen abschaltet, verliert die Verweise von fremden Seiten, die nie aktualisiert werden.

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