AI Overviews: Wie viele Klicks wirklich verloren gehen

Für einzelne Suchanfragen mit AI Overview messen unabhängige Erhebungen Rückgänge der organischen Klickrate zwischen 34 und 59 Prozent. Breiter gemessen fallen die Zahlen deutlich kleiner aus: Das bislang einzige vorregistrierte Feldexperiment dazu findet 8,8 Prozentpunkte mehr Klicks auf fremde Websites je Suche, wenn man die KI-Funktionen abschaltet — bei einem Grundwert von rund 41 Prozent. Eine Untersuchung der Wikipedia-Zugriffe findet rund 5 Prozent weniger Besuche. Beide Größen sind richtig — sie messen nur nicht dasselbe. Entscheidend für Ihr Unternehmen ist, welche Art von Suchanfragen Ihren Verkehr bisher getragen hat: Ratgeber- und Wissensfragen verlieren hart, Kaufabsichten kaum. Stand: Oktober 2026.

Wann ein AI Overview überhaupt erscheint

Ein AI Overview ist eine von Google erzeugte Antwort über der Trefferliste, mit zwei bis fünf verlinkten Quellen. Wichtiger als die Mechanik ist, bei welchen Anfragen er auftaucht — denn nur dort kann er etwas kosten.

Der Anteil wächst, und er ist in Deutschland kleiner als in den USA. Pew Research fand im März 2025 bei rund 18 Prozent der Google-Suchen seines US-Panels eine KI-Zusammenfassung. Im Feldexperiment von Wang und Kolleginnen lösten im März 2026 bereits 36 Prozent der Suchen US-amerikanischer Teilnehmender ein AI Overview aus. SISTRIX zählt für Deutschland etwas über 20 Prozent der Keywords.

Entscheidend ist das Muster dahinter, und darin sind sich die Erhebungen einig: Es trifft informationale Suchanfragen. „Was ist…“, „Wie funktioniert…“, „Unterschied zwischen…“. Bei transaktionalen, navigationalen und lokalen Anfragen hält Google sich bislang deutlich zurück — SISTRIX schreibt das ausdrücklich für Shopping- und Reisebuchungsanfragen.

Was die Zahlen sagen

Sechs Erhebungen, sechs verschiedene Messansätze:

Quelle Erhebungszeitraum Methode Gemessene Größe Ergebnis
Wang u. a. (arXiv, 18.08.2026) 7 Tage je Person, Rekrutierung 17.–19.03.2026 vorregistriertes Feldexperiment, Browser-Erweiterung, N = 1.100 externe Klicks je Suche KI-Funktionen ausgeblendet: +8,8 Prozentpunkte; nur KI-Modus: −18,8 Prozentpunkte
Pew Research Center (22.07.2025) Suchen im März 2025 Browserdaten eines Panels, 900 US-Erwachsene, 68.879 Suchen Anteil der Besuche mit Klick mit KI-Antwort 8 %, ohne 15 %; Klick auf eine zitierte Quelle: 1 %
SISTRIX (25.02.2026, akt. 13.10.2026) nicht angegeben über 100 Mio. Keywords aus dem eigenen Datenbestand, Methode nicht offengelegt Klickrate Position 1, Deutschland 27 % → 11 %; Anteil Suchen mit organischem Klick 57 % → 33 %
Ahrefs (04.02.2026) Dezember 2025 gegen Dezember 2023 aggregierte Search-Console-Daten, 300.000 Keywords (150.000 mit, 150.000 ohne) Desktop-Klickrate Position 1 Prognose 0,037 gegen gemessen 0,016 → −58 %
Seer Interactive (April 2026) Januar 2025 bis Februar 2026 Search-Console- und SERP-Daten von 53 Marken, 5,47 Mio. Suchanfragen organische Klickrate mit/ohne AI Overview mit: 3,19 % → 1,31 % (Dez. 2025) → 2,36 % (Feb. 2026); ohne: 2,75 % → 3,82 %
Khosravi/Yoganarasimhan (arXiv, 05.02.2026) gestaffelte Länder-Einführung Differenz-von-Differenzen, englische Wikipedia-Artikel gegen dieselben Artikel auf Deutsch und Französisch Zugriffe auf die Website −5,45 % bzw. −4,82 %

Drei Dinge fallen auf. Erstens: Die große Spanne liegt nicht an schlechter Arbeit, sondern an unterschiedlichen Messgrößen. Die Untergrenze von 34 Prozent stammt aus der Vorstudie von Ahrefs mit derselben Methode: für März 2025 minus 34,5 Prozent, für Dezember 2025 minus 58 Prozent. Zweitens: Die für den deutschen Markt relevanteste Zahl ist gleichzeitig die methodisch am wenigsten nachvollziehbare — SISTRIX legt nicht offen, wie die Klickraten entstanden sind. Drittens: Der Verlust ist im Lauf des Jahres 2026 nicht weiter gewachsen. Seer Interactive misst für AI-Overview-Suchanfragen einen Tiefpunkt von 1,31 Prozent im Dezember 2025 und 2,36 Prozent im Februar 2026.

Warum die Zahlen so weit auseinandergehen

Klickrate ist nicht Klickzahl. Minus 58 Prozent Klickrate auf Position 1 heißt nicht minus 58 Prozent Besucher. AI Overviews erscheinen bei einem Teil Ihrer Suchanfragen; der Rest bleibt unberührt. SISTRIX rechnet die einzelne Klickrate auf den Gesamtmarkt hoch und landet bei 265 Millionen verlorenen organischen Klicks pro Monat in Deutschland — das sind rund 6,6 Prozent aller organischen Klicks. Dieselbe Erhebung liefert also „fast 60 Prozent“ und „6,6 Prozent“, je nachdem, was man zählt.

Die Datenquelle verändert das Ergebnis. Panel-Daten wie bei Pew erfassen tatsächliches Verhalten echter Menschen, aber nur von 900 Personen in einem Land. Aggregierte Search-Console-Daten wie bei Ahrefs decken 300.000 Keywords ab, enthalten aber keine Information darüber, warum jemand nicht geklickt hat. Werkzeug-Hochrechnungen aus einem Keyword-Index sind die breiteste und die indirekteste Quelle. Nur das Feldexperiment von Wang und Kolleginnen schaltet die KI-Funktionen tatsächlich ab und vergleicht — das ist die einzige Messung mit Kontrollgruppe und damit die einzige, die Ursache und Wirkung trennen kann.

Die Stichprobe der Suchanfragen entscheidet mit. Das ist der am häufigsten übersehene Punkt. Bei Seer Interactive lag die Klickrate für AI-Overview-Suchanfragen im Januar 2025 mit 3,19 Prozent über der für Anfragen ohne AI Overview (2,75 Prozent). AI Overviews erscheinen bei einer anderen Sorte Suchanfragen als der Durchschnitt. Wer beide Gruppen vergleicht, vergleicht also nicht nur „mit KI“ gegen „ohne KI“, sondern gleichzeitig Wissensfragen gegen Kaufabsichten.

Gemessene Position. Fast alle hohen Zahlen beziehen sich auf Position 1. Weiter unten ist der Abstand kleiner, weil dort schon vorher wenig geklickt wurde.

Google selbst sagt etwas anderes. Liz Reid, Vice President und Leiterin der Google-Suche, schrieb am 6. August 2025 im Google-Blog, das gesamte organische Klickvolumen von der Google-Suche zu Websites sei im Jahresvergleich „relativ stabil“ geblieben, und die durchschnittliche Klickqualität sei gestiegen. Zur Pew-Studie erklärte ein Google-Sprecher am 22. Juli 2025 gegenüber der Fachpresse, sie arbeite mit „einer fehlerhaften Methodik und einem verzerrten Anfragenbestand“. Zwei Anmerkungen dazu: Googles Hinweis auf die Stichprobenmischung ist sachlich berechtigt, das zeigt der Seer-Befund oben. Und: Google hat zu seiner eigenen Aussage weder Zahlen noch eine Grafik veröffentlicht. Es ist eine Behauptung eines Beteiligten mit eigenem Interesse — nicht wertlos, aber nicht überprüfbar.

Wen es trifft und wen nicht

Nach Suchabsicht sortiert, von stark nach schwach betroffen:

  • Definitions- und Wissensfragen („Was ist eine Wärmepumpe“) — am stärksten. Hier beantwortet ein Absatz die Frage vollständig. Nach solchen Seiten entsteht kein Bedarf, noch zu klicken.
  • Anleitungen und Erklärungen — stark, aber abhängig von der Tiefe. Eine Antwort in fünf Sätzen ersetzt einen Überblicksartikel, nicht eine Anleitung mit Screenshots, Grenzfällen und Fehlermeldungen.
  • Vergleiche („X oder Y“) — gemischt. Die Antwort nennt oft beide Seiten und wird dann als Einstieg genutzt, nicht als Abschluss.
  • Kaufabsicht („Shopware-Agentur Potsdam“, „Preis“, „Angebot“) — kaum betroffen. Google blendet hier seltener ein AI Overview ein, und wer kaufen will, will die Anbieterseite sehen.
  • Marken- und Ortsanfragen — praktisch nicht betroffen. Wer Ihren Firmennamen eintippt, sucht Sie.

Daraus folgt der eine Satz, der für die Einordnung zählt: Wer überwiegend von Ratgeberverkehr gelebt hat, verliert. Wer überwiegend Anfragen mit Kaufabsicht bedient, verliert wenig — sieht aber in der Search Console möglicherweise trotzdem fallende Zahlen, weil der Ratgeberteil der Website den Durchschnitt zieht. Nach unserer Erfahrung aus Projekten ist das der Punkt, an dem die meisten Fehlschlüsse entstehen: Der Verkehr fällt, aber die Anfragen bleiben gleich.

Was Sie in der Search Console sehen — und was nicht

Das typische Bild: Impressionen steigen, Klicks fallen, die Klickrate fällt stärker, als die Durchschnittsposition sich verschlechtert. Eine Seite, die in einem AI Overview als Quelle verlinkt wird, sammelt Impressionen, ohne dass geklickt wird.

Zwei Dinge sollten Sie dabei wissen, Stand Oktober 2026:

Es gibt jetzt einen eigenen Bericht — aber ohne Klicks. Google hat am 3. Juni 2026 den Leistungsbericht zu generativen KI-Funktionen eingeführt, seit dem 31. August 2026 steht er allen Websites zur Verfügung. Laut Googles Hilfedokumentation enthält er ausschließlich Impressionen, aufgeschlüsselt nach Seite, Land, Gerät und Zeitraum. Übersichten mit KI und KI-Modus werden zusammen ausgewiesen, nicht getrennt. Klicks, Klickrate, Position und Suchanfragen fehlen.

Die Klicks selbst sind nicht abtrennbar. Google schreibt in seiner Dokumentation zu KI-Funktionen, dass Websites, die in KI-Funktionen erscheinen, im Gesamtverkehr des normalen Leistungsberichts enthalten sind, im Suchtyp „Web“. Es gibt keinen Filter dafür. Sie können die Lücke also sehen, aber nicht beziffern.

Wie man den Leistungsbericht im Detail liest — Impressionen, Klicks, Position und ihre Tücken — behandeln wir in einem eigenen Beitrag.

Was jetzt zu tun ist

  1. Sortieren Sie Ihre Seiten nach Suchabsicht, nicht nach Verkehr. Legen Sie eine Liste Ihrer 30 stärksten Seiten an und schreiben Sie hinter jede: Wissensfrage, Anleitung, Vergleich oder Kaufabsicht. Die Seiten der ersten Gruppe sind betroffen, die der letzten nicht. Ohne diese Sortierung behandeln Sie ein Problem, das Sie an der falschen Stelle suchen.
  2. Prüfen Sie, ob der Rückgang überhaupt von AI Overviews kommt. Ein gleichmäßiger Rückgang über alle Seitentypen hat meist eine andere Ursache — ein Update, ein technischer Fehler, ein verlorenes Verweisprofil. Das gehört in eine SEO-Analyse, nicht in eine KI-Debatte.
  3. Richten Sie Inhalte auf Fragen aus, die ein Absatz nicht beantwortet. Eigene Zahlen, Rechenbeispiele, Grenzfälle, Fehlermeldungen, Vergleichstabellen, Erfahrungen aus der Praxis. Was eine KI aus Allgemeinwissen zusammenfassen kann, braucht sie nicht zu verlinken.
  4. Stellen Sie die Messung von Klicks auf Anfragen um. Wenn die Klickrate als Maßstab unzuverlässig wird, zählen die Größen dahinter: Anfragen, Angebote, Abschlüsse, Umsatz je Kanal. Eine Website, die 30 Prozent weniger Besuch und gleich viele Anfragen hat, hat kein Problem.
  5. Arbeiten Sie daran, zitiert zu werden, statt zu verhindern, dass zitiert wird. Seer Interactive misst für Seiten, die im AI Overview als Quelle genannt werden, 120 Prozent mehr organische Klicks je Impression als für nicht genannte Seiten derselben Suchanfrage — allerdings immer noch 38 Prozent weniger als ohne AI Overview. Wie Sie dort hineinkommen, steht in unserem Beitrag Was ist GEO?; als Leistung beschreiben wir es unter Optimierung für KI-Suchen.

Was nicht hilft

AI Overviews einzeln abschalten. Geht nicht. Google nennt in seiner Dokumentation zu KI-Funktionen (geprüft am 20. Oktober 2026) nur nosnippet, data-nosnippet, max-snippet und noindex. Alle vier wirken auf die Darstellung in der Suche insgesamt — wer das Snippet sperrt, verliert auch den Beschreibungstext in der normalen Trefferliste. Das ist kein Tauschgeschäft, das sich rechnet.

KI-Crawler sperren. Google-Extended steuert laut Google andere Systeme des Unternehmens, nicht die KI-Funktionen der Suche. Wer GPTBot oder PerplexityBot aussperrt, ändert an den AI Overviews nichts und verliert die Sichtbarkeit in ChatGPT und Perplexity dazu. Eine llms.txt ändert daran ebenfalls nichts; dazu folgt ein eigener Beitrag.

Auf eine einzige Prozentzahl setzen. Wer die dramatischste Zahl aus einer Pressemeldung übernimmt, plant mit der Klickrate einer fremden Suchanfragenmischung auf Position 1 in einem anderen Markt. Die eigene Mischung steht in der eigenen Search Console.

Welcher Teil Ihres Verkehrs betroffen ist und was davon Anfragen gebracht hat, lässt sich in wenigen Tagen feststellen. Was die laufende Arbeit daran kostet, steht in Was kostet SEO im Monat?.

Häufige Fragen

Wie viel Verkehr verliere ich wirklich durch AI Overviews?

Das hängt von Ihrer Mischung an Suchanfragen ab, nicht von einer allgemeinen Prozentzahl. Auf Ebene einzelner Suchanfragen mit AI Overview messen Erhebungen Rückgänge der Klickrate von 34 bis 59 Prozent. Auf Ebene einer ganzen Website sind die Zahlen kleiner: Eine Untersuchung der Wikipedia-Zugriffe findet rund 5 Prozent, SISTRIX rechnet für Deutschland 6,6 Prozent aller organischen Klicks. Der Unterschied kommt daher, dass AI Overviews nur bei etwa jeder fünften deutschen Suchanfrage erscheinen und fast nur bei Wissensfragen.

Woran erkenne ich, ob AI Overviews meine Website treffen?

An zwei Mustern. Erstens: In der Search Console steigen die Impressionen, die Klicks fallen, die Klickrate fällt stärker als die Position sich verschlechtert. Zweitens: Der Rückgang verteilt sich ungleich. Sortieren Sie Ihre Seiten nach Suchabsicht statt nach Verkehr. Verlieren vor allem Definitions-, Erklär- und Anleitungsseiten, während Angebots-, Marken- und Ortsseiten stabil bleiben, ist das das typische Bild. Verlieren alle Seiten gleichmäßig, liegt die Ursache meist woanders.

Kann ich AI Overviews für meine Website abschalten?

Nicht einzeln. Google nennt in seiner Dokumentation zu KI-Funktionen (Stand Oktober 2026) nur nosnippet, data-nosnippet, max-snippet und noindex als Steuerungsmöglichkeiten. Diese wirken auf die Darstellung in der Suche insgesamt: Wer das Snippet sperrt, verliert auch den Beschreibungstext in der normalen Trefferliste. Google-Extended ist etwas anderes, es betrifft andere Google-Systeme und nicht die KI-Funktionen der Suche.

Sieht man AI-Overview-Klicks in der Search Console?

Nein, Klicks nicht. Seit dem 3. Juni 2026 gibt es einen eigenen Leistungsbericht zu generativen KI-Funktionen, seit dem 31. August 2026 für alle Websites. Er zeigt ausschließlich Impressionen, dazu Seite, Land, Gerät und Zeitverlauf, und er fasst Übersichten mit KI und KI-Modus zusammen. Klicks, Klickrate, Position und Suchanfragen fehlen. Die Klicks selbst stecken laut Google weiterhin im normalen Leistungsbericht im Suchtyp „Web“ und sind dort nicht abtrennbar.

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